Macht Schlaf wieder nüchtern?

Schlaf ändert nichts am Abbautempo des Alkohols. Und Schlafmangel allein erzeugt eine alkoholähnliche Beeinträchtigung — Befunde seit 1972.

30. August 2026 · 2 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort: nein

Schlaf ändert nichts an der Geschwindigkeit, mit der Alkohol den Körper verlässt.

Das wurde bereits 1972 direkt gemessen. Rundell und Kollegen verglichen bei zehn Personen die Abbaugeschwindigkeit von Ethanol im Blut sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand und fanden keinen bedeutsamen Unterschied zwischen beiden Bedingungen. Die Teilnehmer starteten bei einem Spitzenwert von rund 75 mg/100 mL (0,75 ‰); nach vier Stunden im Bett lag der Mittelwert bei 30 mg/100 mL (0,30 ‰). Das sind etwa 0,11 ‰ pro Stunde — genau in dem Bereich, den man bei einem wachen Menschen erwarten würde.

Der Kopf der Arbeit „Alcohol and sleep in young adults“ von Rundell und Kollegen aus dem Jahr 1972.
Abbildung 1 Die Messung, die zeigt, dass Schlaf die Abbaurate nicht verändert, ist ein halbes Jahrhundert alt: Rundell und Kollegen, Psychopharmacologia, 1972.

Die Leber schläft nicht

Das Enzym arbeitet im Schlaf genauso schnell wie im Wachzustand. Das Einzige, was vergeht, ist Zeit — und der Schlaf ändert nur, wie diese Zeit vergeht, nicht wie viel davon vergeht.

Eine Leber, gezeichnet als Räderwerk aus ineinandergreifenden Zahnrädern, darunter ein Fluss voller Uhren mit einem schlafenden Menschen im Boot.
Abbildung 2 Die Zahnräder in der Leber drehen sich weiter; der Schlafende bemerkt das Vergehen der Zeit nur nicht. Was sich ändert, ist die Wahrnehmung, nicht das Tempo.

Aber darum geht es eigentlich nicht

Dass Schlaf den Alkoholabbau nicht beschleunigt, ist nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte ist interessanter: Schlafmangel erzeugt für sich genommen eine alkoholähnliche Beeinträchtigung.

Dawson und Reid haben das in ihrer 1997 in Nature erschienenen Arbeit gemessen. Sie prüften die kognitiv-psychomotorische Leistung sowohl unter verlängertem Wachsein als auch unter steigenden Blutalkoholwerten und legten die beiden Kurven anschließend übereinander. Das Ergebnis: 17 Stunden wach entsprechen einem Leistungsabfall wie bei 0,05 % Blutalkohol, 22 Stunden wie bei 0,08 %, 24 Stunden wie bei 0,10 %.

Umgerechnet in Promille wird deutlich, was das heißt: 17 Stunden wach zu bleiben erzeugt eine kognitive Beeinträchtigung von etwa 0,50 ‰, 24 Stunden wach zu bleiben von etwa 1,00 ‰.

17 Stunden sind keine lange Zeit. Wer um sieben Uhr morgens aufsteht, ist um Mitternacht dort.

Nach eigener Aussage der Autoren war ihr Ziel, die müdigkeitsbedingte Beeinträchtigung als „Blutalkohol-Äquivalent“ auszudrücken und Politik wie Öffentlichkeit damit ein leicht fassbares Maß an die Hand zu geben.

Die Falle dabei

Dieser Befund wird häufig verkehrt herum gelesen: „So schlimm ist Alkohol also gar nicht.“ Das ist nicht der Schluss. Die richtige Lesart geht in die andere Richtung — Müdigkeit ist eine viel zu ernste Ursache von Beeinträchtigung, um sie zu unterschätzen. Der Vergleich macht den Alkohol nicht leichter, sondern die Müdigkeit schwerer.

Wenn beides zusammenkommt

Hier wird es wirklich ernst. Arnedt und Kollegen verglichen in ihrer 2001 veröffentlichten Arbeit die Wirkung von Alkohol mit der Wirkung von verlängertem Wachsein im Fahrsimulator. Bei Spurhaltung und Geschwindigkeitsschwankung erzeugten 18,5 und 21 Stunden Wachsein Veränderungen in derselben Größenordnung wie 0,05 % beziehungsweise 0,08 % Blutalkohol.

Die Studie desselben Teams aus dem Jahr davor prüfte beides in Kombination und fand etwas Beunruhigenderes. Zwanzig Stunden Wachsein zusammen mit Alkohol senkten die subjektiven Schläfrigkeitswerte der Teilnehmer — sie fühlten sich also weniger müde. Ihre Leistung verschlechterte sich, während das Bewusstsein dafür abnahm.

Das ist der wichtigste Satz zum ganzen Thema. Wenn sich zwei Quellen der Beeinträchtigung überlagern, entsteht daraus nicht nur mehr Beeinträchtigung, sondern zugleich weniger Bewusstsein dafür.

Ein Mensch inmitten eines dunklen Strudels, umgeben von verstreuten Glasscherben und einem einzelnen Auge.
Abbildung 3 Wenn Müdigkeit und Alkohol zusammenfallen, wächst die Beeinträchtigung, während das Gespür für den eigenen Zustand schwindet.

Quellen

Dieser Text und die Bilder wurden mit KI erstellt und von den Website-Betreibern zusammengestellt.

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